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Mein spanischer Jakobsweg
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Dezember 2012
Mein spanischer Jakobsweg

Bericht September 2005

Meine Tochter und ich sind nun wieder zurückgekehrt vom Sternenweg durch Spanien.
Wir hatten im Vorjahr schon ab St.-Jean-Pied-de-Port am Fuße der Pyrenäen ganz Navarra durchquert, aber aus Zeitgründen ab Beginn der Region Rioja in Logrono unseren Weg vorerst beendet.
 
Wir sind vom vielen Wandern nicht schlanker oder leichter geworden, nur die Muskulatur hat sich verändert. Besonders kennzeichnend für den 'echten Pilger' sind die auffallend festen Waden, die auch wir uns in tagtäglicher Kilometerarbeit erworben haben. Ja, und eine gesunde Gesichtsfarbe gehört auch mit ins Paket. Für unsere Wanderung haben wir uns ca. 600 km Weg mit einem Tagesschnitt von ca. 33 km vorgenommen; daraus geworden sind letztlich 'nur' ca. 450 km. Ein Grund: meine Tochter bekam sehr rasch massive Fußprobleme.
Als ihre gut eingegangenen, bequemen Schuhe, die gleich zu Beginn unerwartet schmerzhafte Blasen verursacht hatten, sich auch noch auflösten, mussten im Ort Santo Domingo de la Calzada ('Calzada' heißt u.a. 'die mit den Schuhen'...) neue Schuhe mit dem hübschen Namen 'Jacobeos' angeschafft werden - und was das heißt, weiß jeder, der auch nur einen Funken Bergerfahrung hat. Das Eingehen der Neuen war längere Zeit eine Qual, die wir einträchtig teilten. Unsere Schuhgröße ist nämlich fast die gleiche, daher tauschten wir alle paar Stunden das Schuhwerk. Erst als wir einige Kilometer weiter in Burgos ein weiteres Paar Schuhe gekauft bzw.
einige Male Pilgerbrunnen zum Wassertreten und Schuhe Einweichen benutzt hatten, konnten wir den Weg in ansteigendem Tempo weiterwandern. Natürlich bin dadurch auch ich im Laufe des Wanderns mit ziemlich schmerzenden Blasen an den Füßen buchstäblich wie auf rohen Eiern gegangen, aber wen hat's gekümmert?
Wir hatten doch ein großartiges Ziel!

Wir haben also ab Logrono das Riojagebiet durchquert, sind dann ab Burgos in die Weite der Meseta eingetaucht (großartige Erfahrung!), haben ganz Kastilien und León durchwandert, um dann ab León einen 'Abschneider' per Bus nach Sarria in Galizien zu machen. Es wäre einfach zu frustrierend geworden, durch den anfänglichen Zeitverlust schlappe 4 - 5 Tage vor Santiago die Reise abbrechen zu müssen (der Rückflug ab Santiago war schließlich gebucht...).

Was hat uns auf den Jakobsweg gebracht?
Ganz stark hat uns die Mutter-Tochter-Wanderung unter der Milchstrasse fasziniert. Das Gefühl: vereint sind wir stark, aber im Notfall steht jede auch allein für sich und dazu noch für die andere da und hält 'das Werkel' am Laufen.
Die Stille und das totale Abschalten-Können. Das Eintauchen in diese Natur zwischen Hitze am Tage und Kälte bei Nacht. Die Bestätigung: wir meistern einfach alles, egal, was kommt. Wir sind stärker als Schmerz, Durst und Müdigkeit.

Jeder Pilger sucht immer nur 'Seines'. Der Weg zum Heiligen Jakob ist das Eine, die Begegnung mit sich selbst das Andere. Wo der Unterschied ist, muss jede(r) für sich klären... Denn eines gilt für alle: niemand entkommt auf dieser langen Wanderung sich selbst, den eigenen Gedanken, Gefühlen, Beschwerden. 
 
Wer gehetzt ist, bekommt die Chance, ruhig zu werden. Wer im Leben nicht weiter weiss, wird mit Möglichkeiten zur Besinnung beschenkt. Wenn bestimmte Menschentypen dich nerven, triffst du genau die hier reichlich und hast die wundersame Gelegenheit zur Versöhnung. Natürlich musst du nicht, so wie du hier gar nichts musst. Du kannst es aber, und das ist eins der Geschenke des Weges.
Vereinsamte entdecken mitunter erleichtert, wie wenig allein sie doch sind. Einsamkeitssucher genießen die scheinbar endlosen Weiten, aber auch die Kontaktfreudigen kommen voll auf ihre Kosten. Junge Leute auf ihrer ganz persönlichen Sinnsuche sind genauso anzutreffen wie solche, die sich schon viel zu lange alt und ausgelaugt gefühlt haben und sich nun überraschend in neuen Beziehungen wiederfinden.

Jeder richtet sich 'seinen' Weg, niemand unterliegt diesbezüglich einem Zwang, es sei denn den Geboten der Natur.
Die aber können ganz schön streng sein! Die Bandbreite liegt zwischen der gängigen Devise 'no pain, no glory!' ('kein Schmerz, kein Ruhm!') und den vielen Pilgergräbern entlang der Strecke. Der Camino de Santiago heißt nicht umsonst der 'Camino Real', der 'Königsweg'. Der will gemeistert werden, ohne Wenn und Aber. Wie viele aus welchen Gründen auch immer vorzeitig aufhören? Keine Ahnung.
Es gibt sowieso kein richtig' oder 'falsch' dabei. Nur du selbst entscheidest.
 
Am Ende winkt die berühmte 'Compostellana' (das lateinisch verfasste Zeugnis des Jakobspilgers) als äußerer Lohn des Weges. Für Spanier ist dieses Dokument von allergrösster Bedeutung, das u.a. bei beruflichen Stellenbewerbungen immer als Bonus gewertet wird!                           
Sie gilt als Auszeichnung und Würdigung für jemand, der Schwierigkeiten aller Art gemeistert hat, statt vor ihnen davonzulaufen.
Der Geduld besitzt, der Wichtiges von Unwichtigem trennen kann und dadurch die lange Reise mehr oder weniger gesund überlebt hat (das ist KEIN Scherz! Stell dich unvernünftig an - und tschüss!!). Der Camino ist aber auch sicher nichts für Leute mit gesteigertem 'Safety-first'-Bedürfnis.
Auf der Liste der Tugenden stehen auch Unkompliziertheit und Genügsamkeit (schlaf viele Nächte in ungewaschenen Herbergsbetten
und genieße die manchmal sehr ungeputzten, laukalten Duschen, und du weißt, wovon die Rede ist...), Hilfsbereitschaft, Fähigkeit zum Alleinsein, Fähigkeit zum Teamleben.
Klang das etwa abschreckend?
 
Was war das Gute an diesem Wandererleben?
Wir haben Myriaden von atemberaubend schönen Momenten in der freien Natur erlebt. Wechselndes Licht mit wechselnden Landschaftsfarben. Tausende Sterne und ganz deutlich die Milchstrasse am Nachthimmel... 
Wir fühlten uns sensibilisiert wie Zugvögel: in diese Richtung geht es weiter!
Wir haben wunderbare Menschen kennen gelernt, die Schönes mit uns geteilt haben oder uns in entscheidenden Augenblicken weiter geholfen haben.
Wir haben jede Menge an Spaß und Blödeleien und
Gemeinschaftskochen
und -essen und tiefsinnigen Gesprächen in allen möglichen Sprachen und Flirts und Herzlichkeiten geschenkt bekommen.
Wir haben zum Schluss beim Anblick der Kirche in Santiago das einfach geniale, erhebende Gefühl gehabt, "es"  geschafft zu haben! 
Die Pilgerabschlussmesse mit dem berühmten "Bota Fumeiro" war ein Überhammer.
Und gleich danach freier Fluss der Tränen: o nein, nun ist es vorbei...
Oder doch nicht? Einmal Pilger, immer Pilger?  
 
 
 
Kommentar von Gerhard K., Jakobspilger 2004:
Hi Ernie, danke, danke für deinen Pilgerreisebericht. Ach, das Lesen hat so gut getan. Ich kann das alles nachvollziehen und unterschreiben. Der Camino ist schon etwas ganz Besonderes.

 

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